Wie ermittle ich meinen Kalkbedarf?

1.   Die Bodenuntersuchung nach Düngeverordnung

Die Düngeverordnung wurde im Jahr 1998 geschaffen und verpflichtet den Landwirt, regelmäßige Bodenuntersuchungen durchzuführen. Sie sind heute standardisiert und die Basis für die Ermittlung der Hoftorbilanz bei der Zu- und Abfuhr wirtschaftseigener und zugekaufter Düngemittel. Der pH-Wert ist der Untersuchungsparameter, der Auskunft über den Kalkbedarf des Bodens gibt. Bevor zur regelmäßigen Erhaltungskalkung übergegangen wird ist zu überprüfen, ob eine Gesundungskalkung notwendig ist! 

2. Gesundungskalkung:

Gesundungskalkung ist die Aufkalkung versauerter Böden in den anzustrebenden pH-Bereich, der vom Verband Deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungsanstalten (VDLUFA) festgelegt ist. Danach ist alle drei-fünf Jahre die normale Erhaltungskalkung durchzuführen (s.u. Erhaltungskalkung) Der hierfür notwendige Kalkbedarf wird durch eine exakte Kalkbedarfsbestimmung ermittelt und im Untersuchungsattest angegeben. Danach ist alle drei - fünf Jahre die normale Erhaltungskalkung durchzuführen.

Kalkbedarf nach Bodenart:

Zur Bewertung des Nährstoffversorgungszustandes des Bodens wird der Kalkversorgungszustand des Bodens über die Stufen A-B-C-D-E in fünf pH-Klassen eingeteilt. Die Klasse C stellt das anzustrebende Optimum dar. A entspricht der schlechtesten Versorgungsstufe und bei E ist der Boden überversorgt. 

Orientierungswerte für pH-Werte auf Acker und Grünland

Bodengruppe Bodenart anzustrebender pH-Bereich der Klasse C
Ackerland unter 4% Humusgehalt Grünland unter 15% Humusgehalt
1 Sand (< 5% Ton) 5,4 - 5,8 4,7 - 5,0
2 lehmiger Sand (5 - 12% Ton) 5,8 - 6,7 5,2 - 5,7
3 - 4 sandiger / schluffiger Lehm (12 - 17% Ton) 6,3 - 7,0 5,6 - 5,9
5 toniger Lehm / Ton (> 17% Ton) 6,4 - 7,2 5,7 - 6,1

Definition der pH-Klassen sowie Kalkdüngungsempfehlungen

pH-Klasse / Kalkversorgung Beschreibung von Zustand und Ziel Düngebedarf
(Beachten Sie die Empfehlung aus Ihrer Bodenuntersuchung)
A

sehr niedrig
Zustand: Erhebliche Beeinträchti-gung von Bodenstruktur und Nähr-stoffverfügbarkeit, sehr hoher Kalk-bedarf, signifikante Ertrags-verluste bei fast allen Kulturen bis hin zum gänzlichen Ertragsausfall, stark erhöhte Pflanzenverfügbar-keit von Schwermetallen im Boden

Gesundungskalkung

Maßnahme: Erreichung der anzustrebenden, optimalen Bodenreaktion; die Kalkung ist jeder anderen Düngungsmaß-nahme vorzuziehen

B

niedrig
Zustand: Noch keine optimalen Bedingungen für Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit, hoher Kalk-bedarf, meist noch signifikante Ertragsverluste bei kalkanspruchs-vollen Kulturen, erhöhte Pflanzen-verfügbarkeit von Schwermetallen im Boden

Aufkalkung

Maßnahme: Erreichen der anzustrebenden, optimalen Bodenreaktion; die Kalkung ist zwingend erforderlich. Innerhalb der Fruchtfolge bevorzugt zu kalkanspruchsvollen Kulturen

C

optimal, anzustreben
Zustand: Optimale Bedingungen für Bodenstruktur und Nährstoff-verfügbarkeit gegeben, geringer Kalkbedarf, kaum bzw. keine Mehrerträge durch Kalkdüngung.
Kalkanspruchsvollen Kulturen

Erhaltungskalkung

Maßnahme: Erhaltung des Kalkversorgungszustandes durch entsprechende Kalkzufuhr innerhalb der Fruchtfolge

D

hoch
Zustand: Kalkversorgung ist höher als anzustreben, kein Kalkbedarf

Maßnahme: Durch Unterlassung der Kalkdüngung wird eine allmähliche Erniedrigung der Bodenreaktion bewirkt

keine Kalkung

E

sehr hoch
Zustand: Die Bodenreaktion ist wesentlich höher als angestrebt und kann die Nährstoffverfügbarkeit negativ beeinflussen

keine Kalkung: Anwendung physiologisch bzw. chemisch sauer wirkender Düngemittel

Maßnahme: Unterlassung jeglicher Kalkzufuhr, gezielter Einsatz von Düngemitteln, die in Folge physiologischer bzw. chemischer Reaktion im Boden sauer wirken