Dino Selenium

Welche Bedeutung hat Selen im Grundfutter?

Selen ist nach wie vor ein essentiell wichtiges Spurenelement für alle Säugetiere, insbesondere Rinder, Schafe und Pferde! Es hat in der Ernährung bei ausreichender Aufnahme von durchschnittlich 100 bis 300 Mikrogramm pro kg TM (als Empfehlung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie) viele positive Eigenschaften, angefangen bei der Stärkung des Immunsystems bis hin zum Schutz vor Herzmuskelerkrankungen und der Steigerung der Fruchtbarkeit.

Entscheidend ist die Darreichungsform, welche in den meisten Fällen in Form von Natriumselenit erfolgt. Natriumselenit ist anorganisch und wird zum größten Teil schon im Pansen während der Vorverdauung mikrobiell um- und abgebaut, sodass es gar nicht erst zur eigentlichen Aufnahme in den Dünndarm gelangt sondern verloren geht. Wird den Tieren jedoch ein organisches Selen in Form der Aminosäuren Methionin und Cystein verabreicht, welche durch die Aufnahme der Pflanze anstelle von Schwefel entstehen, so schleust man verwertbares Seleneiweiß in den Nahrungskreislauf ein, das danach im Blut, der Milch und später bei Kalb, Fohlen und Lamm im Tierkörper nachweisbar ist!

Somit ist der wohl beste Weg einer ausgeglichenen Selen-Versorgung über das Grundfutter. Dies hat sich in zahlreichen Versuchen und Studien innerhalb der letzten 30 Jahre gezeigt, da hier durch die Aufnahme der Pflanze ein selenhaltiges Eiweiß erzeugt wird, das innerhalb der Nahrungskette nicht mehr verloren geht, unabhängig davon, ob aus dem Erntegut eine Silage oder Heu gefertigt wird! Ein weiterer entscheidender Vorteil der Selendüngung besteht darin, dass über die Grundfuttergabe ausnahmslos alle Tiere eines Bestandes erreicht werden. Dies gilt sowohl für die Stall- als auch für die Weidehaltung, wie verschiede Versuche der letzten Jahren unter anderem bei der MUVA in Kempten, der FH Weihenstephan und der Universität Gießen gezeigt haben.

Selen im Boden, die Hauptmangelgebiete in Deutschland und seine Bedeutung für die Tiere
(aus einer Veröffentlichung von Kalchreuter 2014)

Für diagnostische Zwecke sind neben Futter- und Blutanalysen Untersuchungen von Boden- proben von großem Interesse. Deutschland gehört geologisch zu den Selen (Se)-armen Ländern mit Bodengehalten zwischen 70 und 550 μg Se/kg TM bei durchschnittlich 200 μg Se/kg TM. Bodenanalysen an verschiedenen Standorten von Betrieben mit Se-Mangel in Deutschland ergaben aber Werte von jeweils unter 10 μg Se/kg TM. Als besonders Se-arm gelten Süddeutschland (Oberbayern, Allgäu, Baden-Württemberg, Schwarzwald) und der Norden Niedersachsens. Die Versorgung mit Selen vom Boden über das Grundfutter zum Tier ist demnach absolut unzureichend. Dies spiegelte sich in Se- Gehalten unter der Nachweisgrenze von 0.05 mg Se/kg TM im Grundfutter (Gras- und Maissilagen), aber auch im Getreide, wider.

Beispielsweise hatte vor 25 Jahren unser Getreide noch ca. 20 μg Se/100 g; heute sind es gerade noch 2 μg Se/100 g Getreide. Folglich liegt der Se-Gehalt bei den Tieren z.B. im Blutplasma oftmals nur zwischen 15 und 50 μg Se/l. Optimal wären Werte im Bereich ab 70 μg Se/l und mehr im Blutplasma bzw. 150 μg Se/l im Vollblut. Dies bedeutet, dass bei einer Tagesration der Kühe von z.B. 20 kg TM theoretisch nur 1mg Se angeboten wird gegenüber dem Bedarf von 5 - 7 mg Se pro Kuh und Tag. Der Restbedarf muss folglich über das tägliche Mineralfutter abgedeckt werden. Futtermittelrechtlich ist ein Höchstgehalt von 0,5 mg Selen je kg Futter (88 % TS) festgelegt. Da Selen Bestandteil von Enzymen ist, kann alternativ bei der Blutuntersuchung die Aktivität des Enzyms Glutathionperoxidase (GSH-Px) diagnostisch zur Einschätzung der Se-Versorgung gemessen werden, zumal dieses Enzym vor Zellschädigung (Euter, Muskulatur) schützt.